Innovationsverbund
Ostdeutschlandforschung


Veranstaltungen - 2009

Die Energiewende im Osten
Ergebnisse des 5. Workshops Ostdeutschlandforschung

Ostdeutschland sucht 20 Jahre nach der Vereinigung nach einem sozial und ökologisch zukunftsfähigen Entwicklungspfad, der eine selbsttragende Dynamik entfaltet. Der Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung an der TU Berlin stellte auf seinem 5. Workshop Ostdeutschlandforschung am 30.11.2009 Thesen vor, wie Ostdeutschland zum Vorreiter einer Energiewende werden könnte. Diese kann das Eingangstor für eine sozial-ökologische Industrialisierung werden.

Die Herausforderungen, aber auch die Chancen einer solchen Energiewende, basierend auf Energieeinsparungen und erneuerbaren Energien, sind riesig. Die Energiewende ist angesichts der Folgekosten des Klimawandels eine unvermeidbare Investition. Wer hier die Nase vorn hat, kann globale Zukunftsmärkte besetzen. In Ostdeutschland können beispielhaft neue Wertschöpfungsketten aufgebaut werden, die Arbeitsplätze schaffen und zur Vermeidung des Klimawandels beitragen. Es geht um den Aufbau komplexer, integrierter Wertschöpfungsnetze mit ganz neuen Formen der Energieerzeugung, -verteilung, -speiche­rung und des Energiekonsums.

Die ostdeutschen Länder besitzen für eine Energiewende mehrere Pluspunkte. Sie sind vom Potenzial her in der Lage, ihren eigenen Energiebedarf zu decken, da Flächen für Wind- und Solarkraftwerke und Biomasseproduktion ebenso wie technologisches Know-how (zum Beispiel in der Photovoltaik-Industrie Solar Valley Mitteldeutschland) verfügbar sind. Allerdings ist die Wertschöpfung bei der Erzeugung erneuerbarer Energien in Ostdeutschland im Vergleich zu Deutschland insgesamt noch unterdurchschnittlich. Drei Handlungsfelder sind für die Workshop-Teilnehmer zentral für eine Energiewende in Ostdeutschland:

Politische Initiative und Finanzierung: Ausgangspunkt sollte eine klare politische Entscheidung sein, Ostdeutschland zum Vorreiter einer Energiewende zu entwickeln. Die Initiative sollte von einzelnen ostdeutschen Bundesländern in Kooperation mit der Bundesregierung und ambitionierten Städten und Gemeinden ausgehen. Für die Finanzierung schlägt der Innovationsverbund die Bildung eines Fonds für (Mikro-)Kredite vor, mit denen Kommunen Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien, in Energieeffizienz- und Infrastrukturmaßnahmen sowie die Rekommunalisierung der Energieversorgung finanzieren können.

Partizipation und Experimente: Eine wichtige Aufgabe ist es, günstige Bedingungen für die Erprobung einer Energiewende zu schaffen, um verschiedene Lösungen und Entwicklungsoptionen parallel offen zu halten. Nur so lassen sich die besten Wege für eine Wende herausfinden. Erfahrungen des "Scheiterns" sollten ebenso ausgewertet und gewürdigt werden wie Erfolgsbeispiele. Der Innovationsverbund schlägt vor, die Bevölkerung am Ausbau der erneuerbaren Energien demokratisch zu beteiligen, um auf diese Weise sicherzustellen, dass sie in Form von Arbeitsplätzen, Einkommen, langfristig stabilen Energiepreisen etc. davon profitiert.

Netzintegration und Balance zwischen dezentralen und zentralen Lösungen: Die dezentrale Energieproduktion mit erneuerbaren Energien muss mit erhöhten Verteil- und Hochspannungsnetzkapazitäten, Speicherkapazitäten, flexiblen Gaskraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sowie einem intelligenten Management von Stromnachfrage und -angebot verknüpft werden. Dafür sollten geeignete technologische, politische und ökonomische Schnittstellen entwickelt werden. Der Innovationsverbund fordert die Schaffung regionaler Schnittstellenagenturen in Bezug auf Netze und virtuelle Kraftwerke in Ostdeutschland.

Thesenpapier "Energie im Osten. Die Energiewende als Chance für eine ökologische Reindustrialisierung Ostdeutschlands" (pdf)

Reader zum 5. Workshop Ostdeutschlandforschung (pdf)

Stumme Krise - geteiltes Land Die Deutsche Einheit braucht frische Ideen

vom 20. bis 22. November 2009, Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt e.V., Schlossplatz 1d, 06886 Lutherstadt Wittenberge

Mit Blütenträumen begann vor 20 Jahren der Aufbau Ost. Für viele sind sie mittlerweile verwelkt. Die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind wieder größer geworden, die Menschen ziehen fort. Gegen diesen Trend sind kreative Ideen, Initiativen und Projekte entstanden. Sie werden vorgestellt und diskutiert. Sind sie Pioniere des Wandels?
Leitung: Jörg Göpfert, Dr. Bettina Musiolek, Dr. Benjamin Nölting (Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung) und Dr. Thomas Posern (Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau)

Nach dem Ende: Eine neue Ära der Transformation?
Ein Gespräch zwischen Prof. Dr. Rolf Reißig und Dr. Edelbert Richter

Montag, den 23. November 2009 um 18.30 Uhr
Oxymoron, Rosenthaler Str. 40/41, in den Hackeschen Höfen, 10178 Berlin

Was 1989/90 nur Wenige vermuteten, beginnt heute deutlich zu werden: Die postsozialistische Transformation ist nicht das Ende tief greifender Wandlungsprozesse in Europa und in der Weltgesellschaft, sondern erst deren markanter Auftakt. In dieser historischen Übergangssituation gibt es kaum geltende Gewissheiten und es stellen sich grundlegende Fragen gesellschaftlicher Entwicklung und Gestaltung neu.
Welche Erklärungen sind zu leisten, welche theoretischen Ansprüche sind damit verbunden? In welchem Verhältnis stehen die postsozialistische Transformation und die Transformation der modernen bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften? Geht es im 21. Jahrhundert tatsächlich um eine neue "Große Transformation" (Polanyi) und wodurch wäre (ist) sie charakterisiert?
Was wäre ein angemessenes Konzept sozialen Wandels in einer solchen Umbruchsituation? Was leisten hierbei die Konzepte von Wandel, Reform oder Revolution? Wäre es sinnvoll, das Konzept einer "Gesellschafts-Transformation" auf die aktuellen Umbrüche im 21. Jahrhundert anzuwenden? Was unterscheidet dieses Konzept von den anderen, was macht es zu einem neuen Paradigma sozialen Wandels? Welche praktisch-politische Relevanz haben diese Debatten mit ihren unterschiedlichen Antworten?

Prof. Dr. Rolf Reißig
Sozial- und Politikwissenschaftler, Brandenburg-Berliner Institut für Sozialwissenschaftliche Studien (BISS e. V.), Gastvorlesungen an der FU Berlin. Jüngste Veröffentlichung: Gesellschaftstransformation im 21. Jahrhundert. Ein neues Konzept sozialen Wandels, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009.

Dr. Edelbert Richter
Lehrbeauftragter für Philosophie an der Bauhaus-Universität Weimar, Mitglied im Willy-Brandt-Kreis e. V. und in der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler. Er war Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs und 1990 - 2002 Mitglied im Europäischen Parlament und Mitglied im Bundestag (für die SPD). Jüngste Veröffentlichungen: "Reform" als Restauration und hegemoniale Nostalgie, VSA-Verlag, Hamburg 2005; Die Linke im Epochenumbruch: Eine historische Ortsbestimmung, VSA-Verlag, Hamburg 2009.

Vortrag und Diskussion mit Staatssekretär Kasparick

Am 2. September war der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), Ulrich Kasparick, zu Gast beim Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin. Herr Kasparick ist seit Jahren an zentralen Stellen zuständig für den Aufbau Ost: zunächst als Staatssekretär beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (2004/2005), seit 2005 beim BMVBS.

In seinem Vortrag zeigte er auf, wie Forschungspolitik und die Einrichtung von Forschungsinstituten in Ostdeutschland wichtige Impulse für regionale Cluster und Innovationsschwerpunkte geben können. Forschung trage in Ostdeutschland insbesondere dann zur regionalen Entwicklung bei, wenn sie eine Produktorientierung verfolge und auf Kooperationen setze. Seiner Erfahrung nach hätten Universitäten und Forschungseinrichtungen mehr Freiheiten, um Innovationen und neuartige Kooperationen auf den Weg zu bringen als Landesministerien oder der Bundestag. Daher sei ihm ein neues Forschungsinstitut wichtiger als eine Ortsumgehungsstraße - beides sei für rund 10 Mio. EUR zu haben, ersteres aber politisch schwerer durchzusetzen.

Weiterhin kritisierte er das mangelnde Interesse der ostdeutschen Bundesländer, sich auf gemeinsame Ziele zu verständigen und diese konsequent und über Parteigrenzen hinweg zu verfolgen. Generell sei eine stärkere Zielorientierung von ostdeutschen Regionen und Ländern wünschenswert, um die Akteure vor Ort zu motivieren und eigene Stärken zu entwickeln. Stattdessen hätten sich etliche Akteure an Fördertöpfen orientiert.

Auf die Frage des Innovationsverbunds, worin nach seiner Einschätzung ein wichtiger sozialwissenschaftlicher Impuls der Ostdeutschlandforschung bestehen könne, forderte Herr Kasparick die Forscherinnen und Forscher auf, auf Bürgermeister und Regionen zuzugehen, die etwas ausprobieren und eigene Entwicklungspfade beschreiten wollten. Forschung könne mit Ideen und Expertise wesentliche Impulse setzen und solche Vorreiter unterstützen.

Forschung in Ostdeutschland - Forschung für Ostdeutschland
Entwicklungstendenzen und Perspektiven

Diskussionsveranstaltung mit Ulrich Kasparick
Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung

Mittwoch, den 2. September 2009 um 19 Uhr
Zentrum Technik und Gesellschaft an der TU Berlin, Hardenbergstr. 36A,
Ernst-Ruska-Gebäude (Altbau Physik), Raum 242, 10623 Berlin

Forschung ist ein zentrales Element in der Strategie der Bundesregierung für den "Aufbau Ost". Seit der Vereinigung hat sich die ostdeutsche Forschungslandschaft stark geändert. Die Bundesregierung und die Länder haben eine aktive Forschungspolitik betrieben, um die Forschung in Ostdeutschland für die Herausforderungen fit zu machen. Welche Impulse gehen von ihr für die Stabilisierung und Entwicklung von Wirtschaft und Städten in Ostdeutschland aus? Wie werden die Neuen Bundesländer und ihre Forschungskapazitäten international wahrgenommen? Was ist noch zu tun?

Workshop des Nachwuchsnetzwerks Ostdeutschlandforschung "Forschungsarbeiten zu Ostdeutschland"
am Freitag, den 17. Juli 2009 von 11:00 bis 17:00 Uhr am Zentrum Technik und Gesellschaft.

Der Innovationsverbund hat ein Netzwerk von jungen Forscherinnen und Forschern ins Leben gerufen, bestehend aus Diplomanden, Doktoranden und Post-Docs, die zu Themen der Ostdeutschlandforschung arbeiten. Das Netzwerk und die Veranstaltungen sind offen für alle Interessentinnen und Interessenten. Das Nachwuchsnetzwerk ermöglicht über die meist fachspezifische Ausrichtung von Dissertationen und Diplomarbeiten hinaus den interdisziplinären Austausch. Es ist das Anliegen des Innovationsverbunds, den wissenschaftlichen Nachwuchs im Forschungsfeld zu gewinnen, miteinander zu vernetzen und bei der Qualifizierung zu begleiten. Die Diskussion wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Netzwerk Ostdeutschlandforschung unterstützt.
Im Juli und November 2007 fanden zwei Doktorandenkollegien statt, in denen die Teilnehmer/innen ihre Forschungsarbeiten präsentierten und diskutierten. Im April 2008 fand ein thematischer Vertiefungs-Workshop zu "Bilder des Wandels" statt, im Dezember 2008 ein weiteres Kolloquium.

Rückfragen, thematische Vorschläge und Anmeldungen bitte an Benjamin Nölting Email: noelting@ztg.tu-berlin.de.
Tel.: 030/314-26 368

Programm Workshop "Forschungsarbeiten zu Ostdeutschland"

Vorankündigung
Fachkräftesicherung in turbulenten Zeiten

Herbsttagung am 5. November 2009,
Halle/Saale, Händelhalle
Veranstalter: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung, zsh - Zentrum für Sozialforschung Halle

Gegenwärtig leben wir in turbulenten Zeiten - Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, demographischer Mangel und Fachkräftelücke sind nur einige Schlagworte, die dies verdeutlichen. Gerade in solchen Zeiten ist es - trotz aller anstehenden aktuellen Aufgaben - von immenser Bedeutung, den Blick in die Zukunft nicht zu verlieren und sich auf zukünftige Strukturen vorzubereiten. Während dabei für den Einzelnen die Sicherung des Arbeitsplatzes und damit des Einkommens im Vordergrund steht, stellt für Unternehmen die Sicherung ihrer Fachkräfte eine besondere Prämisse dar. In der angekündigten Fachtagung stehen zwei Schwerpunkte im Mittelpunkt: (1) lokale Governance und die Erbringung öffentlicher Leistungen mittels Bürgerarbeit, der Job-Perspektive Plus und Kooperationslösungen für KMU sowie (2) Qualifizierungspotentiale, die in der Ausbildungs- und/oder Weiterbildungsbereitschaft von Unternehmen liegen.
Weitere Informationen folgen demnächst.

Stumme Krise - geteiltes Land Die Deutsche Einheit braucht frische Ideen

vom 20. bis 22. November 2009, Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt e.V., Schlossplatz 1d, 06886 Lutherstadt Wittenberge

Mit Blütenträumen begann vor 20 Jahren der Aufbau Ost. Für viele sind sie mittlerweile verwelkt. Die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind wieder größer geworden, die Menschen ziehen fort. Gegen diesen Trend sind kreative Ideen, Initiativen und Projekte entstanden. Sie werden vorgestellt und diskutiert. Sind sie Pioniere des Wandels?
Leitung: Jörg Göpfert, Dr. Bettina Musiolek, Dr. Benjamin Nölting (Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung) und Dr. Thomas Posern (Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau)

Mit der "Regionalen Qualifizierungsinitiative in Ostdeutschland" unterstützt der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer Wolfgang Tiefensee innovative Maßnahmen zur Steigerung von Qualifizierungsaktivitäten auf regionaler Ebene.
Ziel ist es, innovative Strategien und Maßnahmen zu befördern, die insbesondere in kleinen und mittelständischen Betrieben das Fachkräftepotential erschließen und sichern helfen.
Vor diesem Hintergrund fand eine Tagung zum Thema "Wege zu einer strategischen Fachkräftesicherung in Unternehmensnetzwerken" am 8. und 9. Juni in Rostock statt.
Bei der Tagung wurde das Thema "Fachkräftesicherung für KMU" aus den unterschiedlichen Blickwinkeln von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und v. a. aus Sicht der an der Initiative beteiligten Unternehmensnetzwerke, unter anderem unter den Bedingungen der konjunkturellen Krise, betrachtet. Dabei wurden praktische Erfahrungen aus den Projekten der Qualifizierungsinitiative vorgestellt.
Unter anderem ging es um "Schnelles und flexibles Reagieren in der Krise zur Fachkräftesicherung durch Qualifizierung und Kompetenzentwicklung in Kurzarbeit". Dabei wurde deutlich, dass Weiterbildung während der Kurzarbeit in Zeiten der Krise ein sehr erstrebenswertes, aber in der Umsetzung nicht immer einfach handhabbares Instrument ist.
Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, Ulrich Kasparick, ließ sich in diesem Zusammenhang darüber informieren, dass die Qualifizierung in Kurzarbeit insbesondere aufgrund der Zertifizierungsproblematik und des unberechenbaren Zeitmanagements vieler Firmen noch nicht ausreichend zum Einsatz kommt. Die ca. 100 Teilnehmer der zweitägigen Veranstaltung gingen mit vielen Anregungen und Erfahrungen zur Entwicklung strategischer Kompetenzen in Netzwerken aus der Tagung heraus. Im Frühherbst wird eine Broschüre zur Regionalen Qualifizierungsinitiative in Ostdeutschland mit Ergebnissen dieser Veranstaltung und aus den zehn beispielhaften Projekten erscheinen.
Organisator der Veranstaltung war in Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium die Transferstelle mit den Instituten GEBIFO - Gesellschaft zur Förderung von Bildungsforschung und Qualifizierung mbH Berlin, tamen - Entwicklungsbüro Arbeit und Umwelt GmbH und zsh - Zentrum für Sozialforschung halle e.V. an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Workshop im Rahmen des Geschichtsforums 09 veranstaltet vom Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung:
Der Wandel ländlicher Räume in Ostdeutschland nach der Vereinigung

Fr, 29.05.2009, 11:00 - 12:30 Uhr
Humboldt-Universität, Hauptgebäude Raum: 2103

Mit der Vereinigung sind die ländlichen Räume in Ostdeutschland einem tief greifenden Strukturwandel unterworfen worden. Die ostdeutsche Landwirtschaft ist nach der Anpassung an den EU-Agrarmarkt einer der wenigen ostdeutschen Wirtschaftszweige mit eigenständigen, wettbewerbsfähigen Strukturen. Aber ländliche Räume sind mehr als Landwirtschaft. Sie werden heute in der Öffentlichkeit vor allem als sich leerende Räume mit erheblichen Strukturproblemen wahrgenommen: demografische Schrumpfung, Wegzug qualifizierter Menschen, Deindustrialisierung, Abbau von Daseinsvorsorge, Erosion sozialer Strukturen und hohe Arbeitslosigkeit scheinen zu dominieren. Es lassen sich aber auch gegenläufige gesellschaftliche Dynamiken beobachten. Die Ausweisung von Naturschutzgebieten, Windparks, Ökolandbau und Gen-Mais zugleich, Raumpioniere sowie die Re-Organisation von Gewerbe und Industrie sind dort zu finden.

Referenten:
Dr. Benjamin Nölting, Zentrum Technik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin
Dr. Michael Thomas, Brandenburg-Berliner Institut für Sozialwissenschaftliche Studien
Andreas Willisch, Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V., Bollewick

Link:
www.geschichtsforum09.de/nc/programm/wortveranstaltungen/deutschland-und-europa-seit-1989/veranstaltung/der-wandel-laendlicher-raeume-in-ostdeutschland-nach.html

Konferenz Engagement in Ostdeutschland - Traditionen und Perspektiven der Zivilgesellschaft
Donnerstag, 4. Juni 2009, im Alten Rathaus in Potsdam
Veranstalter: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

Die übergreifende Fragestellung der Konferenz lautet, ob die Erinnerung an bürgerschaftliches Engagement in der DDR einen Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft heute leisten kann. Vorgestellt werden neueste Forschungsergebnisse aus der lokalhistorischen und der zivilgesellschaftlichen Forschung, miteinander und mit den Teilnehmenden diskutieren werden Politiker, ZeitzeugInnen, HistorikerInnen, BildungsexpertInnen und VertreterInnen der Zivilgesellschaft.

Programm

Auf der Suche nach neuen Wegen - Ostdeutschland zwischen Vergangenheitsanalyse und Zukunftsdeutung
Ein Gespräch zwischen Christoph Links und Thomas Medicus

Dienstag, den 12. Mai 2009 um 18:30 Uhr
Restauration "Walden", Choriner Str. 35, Prenzlauer Berg, 10435 Berlin

Zwanzig Jahre deutsche Einheit: Die Debatte über Ostdeutschland überschlägt sich zurzeit in Vergangenheitsdeutungen. Mit Macht kommen alte Diskurse und manche Verbitterungen wieder zu Tage. Aufgeladen wird die gegenwärtige Zustandsbeschreibung Ostdeutschlands von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Doch jenseits des "Alarmismus" bahnen sich in Ostdeutschland kreative Wege und schaffen bemerkenswerte Regionalentwicklungen. Innovative Experimente für Wirtschaft, Technologie und Ökologie, kulturelle und soziale Modelle sind die Antworten auf Fehlschläge und Pauperisierungsszenarien. Sie beginnen neue Impulse in die Region zu tragen - und man fragt sich: Was sind das für Entwicklungen, und wer schiebt sie an? Sind die Innovateure und "Changemakers" Pioniere einer verheißungsvollen Zukunft oder werden sie Einzelfälle bleiben, deren Charme lediglich im ungewöhnlichen Agieren in turbulenten Zeiten liegt?
Vor dem Hintergrund etlicher Beispiele soll im Gespräch zwischen dem Publizisten Thomas Medicus und dem Verleger Christoph Links die Zukunftsfähigkeit innovativer Ansätze zur Überwindung der ökonomischen, sozialen und demographischen Probleme in Ostdeutschland ausgelotet werden.

Dr. Christoph Links leitet seit 1989 den Ch. Links Verlag mit dem Schwerpunkt Politik und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts; 2008 Promotion am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität Berlin; zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen sowie Herausgaben zur Literatur- und Zeitgeschichte.

Dr. Thomas Medicus, Publizist; Visiting Scholar am Hamburger Institut für Sozialforschung. Er war freier Journalist (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Deutschlandfunk, Basler Zeitung, Der Tagesspiegel u.a.), Redakteur bei verschiedenen Zeitungen, u.a. Sachbuchredakteur beim Tagesspiegel in Berlin und stellvertretender Feuilletonchef der Frankfurter Rundschau.

Im Herbst 2009 erscheint im Ch. Links Verlag eine Publikation, die "Changemakers" und ihre innovativen Projekte in Ostdeutschland vorstellen wird. Mehr Informationen hierzu unter www.zukunft-ostdeutschland.de.

Unter'm Hut sind alle gleich!
Leben und Überleben im Umbruch
Montag, den 12. Oktober 2009 um 18 Uhr 30

Oxymoron, Rosenthaler Str. 40/41, in den Hackeschen Höfen, 10178 Berlin

In einer Werkstattrunde werden Andreas Willisch vom Thünen-Institut als Projektkoordinator und Mistreiterinnen und Mitstreiter verschiedener Universitäten und Einrichtungen Ergebnisse ihrer Erkundungen, Interpretationen und Inszenierungen zur Diskussion stellen.
Seit mehr als zwei Jahren untersucht ein Projektverbund zwischen Sozialwissenschaft und Kunst Umbruchsprozesse in europäischen Regionen. In Deutschland steht dafür exemplarisch die Stadt Wittenberge. Einst "Stadt der Nähmaschinen", hat Wittenberge dramatische Brüche erfahren und befindet sich noch heute in einer sozial komplizierten Situation: Industrielle Brachen und massiver Wohnungsleerstand, tiefe demografische Einschnitte und Abwanderung der Jugend, fehlende Arbeitsplätze und sich ausbreitende Armut sind Charakteristika.
Peripherie und Schrumpfung stehen als geläufige Bezeichnungen dafür. Was aber verbirgt sich dahinter, wenn man Menschen in ihren alltäglichen Situationen folgt? Wenn danach gefragt wird, wie Familien sich einrichten können, wie Gemeinschaften wieder für Vertrauen sorgen, wie man weiterleben kann in hochgradiger Unsicherheit? Wie aber auch Nachbarschaften zerfallen oder die abgetragene Industrie neue Blicke öffnet? Jedenfalls sind das einige der Fragen, die der soziologische, der ethnologische und auch der künstlerische Blick "von unten", vom Boden der Stadt aus, beantworten soll. Diese Fragen und diese Perspektive bestimmen den Spannungsbogen für die Debatte.
Am Projektverbund "'Social Capital' im Umbruch europäischer Gesellschaften - Communities, Familien, Generationen" sind Ethnologen der Humboldt-Universität, Soziologen der Universität Kassel, vom Hamburger Institut für Sozialforschung, vom Brandenburg-Berliner Institut für Sozialwissenschaften, dem Thünen-Institut in Kooperation mit dem Maxim Gorki Theater Berlin beteiligt.