Innovationsverbund
Ostdeutschlandforschung


Veranstaltungen - 2008

Workshop Nachwuchsnetz Ostdeutschlandforschung
Mittwoch, 10. Dezember 2008, 13.00-17.00 Uhr
am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin (Besprechungsraum)

Vorstellung und Diskussion laufender Forschungsarbeiten:
Anna Verena Münch (Universität Bielefeld, Dissertationsprojekt):
"Die Langeweile totschlagen? Alltagserleben und sozialen Praxen gewaltaktiver Jugendlicher"
Gerko Egert, Herdis Hagen, Oliver Powalla, Frederick Sixtus und Stephan Trinkaus (Universität Potsdam, Lehrforschungsprojekt 'Topografien sozialer Unbestimmtheit'): "'Nein, meiner ist nicht männlich. Meiner ist ein Muttersöhnchen.' Prekarität und männliche Herrschaft im ländlichen Raum Brandenburgs"

Bericht
Am 28. November veranstalteten Netzwerk und Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung den 4. Workshop Ostdeutschlandforschung "Teilhabe in Ostdeutschland - Innovationspotenziale, Lernprozesse und Blockaden einer Gesellschaft im Umbruch" an der TU Berlin.

Über 60 Teilnehmer/innen und Referenten/innen diskutierten, ob das Teilhabekonzept ein geeigneter Ansatz ist, um Innovationspotenziale und Lernprozesse in Ostdeutschland erklären zu können. In zwei Einführungsvorträgen wurde der Rahmen für die Diskussion aufgespannt.
Dr. Berthold Vogel vom Hamburger Institut für Sozialforschung begegnete dem Konzept kritisch und warnte vor einer Überfrachtung im Sinne einer Soziologie unerfüllter Wünsche. Der deutsche Wohlfahrtsstaat habe in Ostdeutschland Teilhabewelten in beachtlichem Ausmaß geschaffen. Im Gegensatz dazu empfinden große Teile der ostdeutschen Bevölkerung jedoch ein Teilhabedefizit.
In der sozialstaatlichen Umsetzung tendiere das Teilhabekonzept zu starren Verteilungsstrategien, die auf konservierende, teilweise überholte Wachstums-, Angebots- und Anspruchslogiken bauten. Vogel plädierte dafür, dem wohlfahrtsstaatlichen Teilhabekonzept andere Gestaltungsprinzipien entgegen zu setzen, mit denen angemessener auf die Spannungsfelder in Ostdeutschland reagiert werden könne: Gefragt seien eine Logik der Schrumpfung, der Verpflichtung und der Verantwortung, die die Menschen nicht in Gewinner und Verlierer einteilten, sondern miteinander in Beziehung setzten und innovative Lösungen förderten. Dr. Ulrich Busch vom Zentrum Technik und Gesellschaft gab im zweiten Vortrag eine volkswirtschaftliche Erklärung für die Teilhabedefizite in Ostdeutschland. Ostdeutsche produzieren statistisch umgerechnet pro Kopf nur ca. 2/3 der Wertschöpfung der Westdeutschen. Beim Konsum sei ihr Anteil dank der Transfers höher, aber die Konsumausgaben in Ostdeutschland stagnierten seit Jahren. Diese eklatanten Unterschiede ließen sich nicht durch Sozialpolitik beheben, folgerte Busch.
In vier thematischen Workshops wurde die Diskussion vertieft.

Forum I: Arbeit
Im Forum wurde die Frage aufgeworfen, welche Bedeutung verschiedene Formen von Arbeit in unserer Gesellschaft haben. Die Vorträge deckten ein breites Spektrum ab von einer beispielhaften Modelldarstellung, über die Auswirkungen der Teilhabe und Nichtteilhabe an Arbeit bis hin zu einer eher allgemeinen Diskussion des Themas. Sabine Böttcher (ZSHalle, Halle) berichtete über das Modellvorhaben Bürgerarbeit, mit dem Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanziert wird. Dr. Hendrik Berth (Universitätsklinikum Dresden) fragte, was Arbeit und Arbeitslosigkeit für Ostdeutsche bedeutet? Und Dr. Kirsten Puhr (Universität Halle) sprach über Inklusion und Exklusion im Kontext prekärer Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen. Im Ergebnis der Diskussion wurde herausgestellt, dass Teilhabe an Erwerbsarbeit einen extrem hohen Stellenwert in der gesellschaftlichen Anerkennung einnimmt und somit am stärksten über die Integration der Einzelnen in ihr gesellschaftliches Umfeld entscheidet. Das schränkt die Möglichkeiten flexibler Lebensformen in einer Gesellschaft, die längst nicht mehr Vollbeschäftigung sichern kann, extrem ein. Somit muss über den Stellenwert von Teilhabe durch Erwerbsarbeit und alternative, nicht-stigmatisierende Möglichkeiten von Nicht-Erwerb stärker nachgedacht werden.

Forum II: Sozio-kulturelle Innovationen und Blockaden
Anhand sozial konstruierter Geschlechterverhältnisse und sozio-kultureller Infrastruktur in ländlichen Räumen wurden Möglichkeiten und Grenzen alltagstauglicher Teilhabestrategien diskutiert. In ihrem Impulsreferat skizzierte Prof. Irene Dölling (Universität Potsdam), wie traditionelle Geschlechterverhältnisse in Ostdeutschland aufgrund einer radikalen Transformation unter Druck geraten. Deindustrialisierung stellt die Teilhabe von Frauen durch Vollerwerbstätigkeit zur DDR-Zeit ebenso in Frage wie das Bild des männlichen Familienernährers. In der Diskussion wurde eine Vielfalt von Lebensmodellen und Geschlechterarrangements deutlich.
In ländlichen Räumen wird, wie Dr. Claudia Neu (von Thünen-Institut Braunschweig) darlegte, insbesondere der Rückbau sozialer Infrastruktur als eine Verschlechterung der Lebensqualität wahrgenommen. Bislang behindern vor allem rechtliche Regelungen Aktivitäten von Bürgerinnen und Bürger in diesen Bereichen der Daseinsvorsorge.
In der Diskussion wurde deutlich, dass die Suche nach angemessenen Geschlechterarrangements und sozialer Infrastruktur nicht vorschnell durch Festlegungen von Mindeststandards und Geschlechterrollen beendet werden sollte. Vielmehr sollte deren Qualitäten aus den Praktiken der Menschen heraus entwickelt und öffentlich verhandelt werden. Für die Wissenschaft bedeutet das die Überprüfung ihrer Begriffe, Theorien und Methoden.

Forum III: Regionen und Regionalentwicklung
Auf der Grundlage der Beiträge von Dr. Steffen Maretzke (Bundesamt für Raumordnung, Bonn), Dr. Thilo Lang (Zukunftsagentur Brandenburg) und Prof. Theodor Fock (Hochschule Neubrandenburg) wurden raum- und regionalstrukturelle Trends in Ostdeutschland sowie zwischen Ost- und Westdeutschland diskutiert. Strittig waren die Wirkung einzelner Indikatoren wie insbesondere Klassifizierungen von Räumen (etwa als "peripher", "Peripherie"). Unter Teilhabegesichtspunkten stachen zwei übergreifende Problemkonstellationen besonders hervor: Zum einen die offensichtlichen Grenzen der Ansätze, über Modellprojekte endogene Entwicklungsimpulse in peripheren Regionen auszulösen. Zum anderen die offenen Koordinierungsprobleme zwischen den unterschiedlichen regionalen Handlungs- und Entscheidungsebenen. Bei beiden Richtungen ging es um ein zwar bekanntes, aber wenig thematisiertes und nicht gelöstes Problem politischer Steuerung und Förderung.

Forum IV: Zivilgesellschaftliche Entwicklung
Ausgangsfrage des Forums war, wie Teilhabe in der Zivilgesellschaft als Selbstorganisation funktioniert. Prof. Michael Corsten (Universität Hildesheim) zeigte, dass zivilgesellschaftliches Engagement nicht mit sozio-ökonomischen Daten korreliert, sondern stärker von regionalen Milieus geprägt ist. Bettina Grimmer (Universität Siegen) berichtete von Gemeinschaftsbildung in Vereinen in Wittenberge, die den Anschluss an übergreifende gesellschaftliche Bezüge verfehlt. Frank Ernst (Netzwerk Zukunft Sachsen Anhalt) schilderte demgegenüber zwei Beispiele, wo lokale Akteure im ländlichen Raum weitergehende Netzwerke initiieren und mobilisieren konnten. In der Diskussion wurde das Verhältnis von Selbstorganisation (z.B. in Vereinen), unterstützenden Rahmenbedingungen und einer Öffnung für Netzwerke auf anderen Ebenen als Bestimmungsfaktoren zivilgesellschaftlicher Entwicklung herausgearbeitet.

Zum Abschluss des Workshops präsentierte Volker Gerling Geschichten und Daumenkinos von Menschen, die er bei seinen Wanderungen durch (Ost-)Deutschland getroffen hatte. Damit wurde ein Workshop mit anspruchsvollen Diskussionen abgerundet. Ein Fazit war, dass das Teilhabekonzept zwar in geeignetes Dach für interessante Problemstellungen bietet, aber als handlungsleitender Ansatz zu starr ist, um Antworten auf gesellschaftlichen Wandel zu geben und Innovationen zu inspirieren.

Aufruf zur Themen- und Ideensammlung [pdf]
Programm [pdf]
Reader [pdf]
Grußwort des Staatssekretärs für Wissenschaft und Forschung, Dr. Hans-Gerhard Husung [pdf]
Pressespiegel

Verlorene Generation?
Die als Vorabendveranstaltung zum 4. Workshop der Ostdeutschlandforschung am 27. November im Oxymoron durchgeführte Podiumsdiskussion "'Verlorene Generation': Blockierte Erwerbseinstiege in Ostdeutschland" entwickelte sich zu einem echten Höhepunkt und einer guten Einstimmung auf den Workshop.
Einleitend konnte Michael Thomas noch einmal auf die nunmehr schon traditionsreiche Reihe im Oxymoron hinweisen und den Hausherren für fünf gemeinsame Veranstaltungen danken. Danach entwickelte sich zwischen Prof. Burkart Lutz (ZSH, Halle), Dr. Christine Steiner (DJI, München) und Prof. Thomas Hinz (Uni Konstanz) unter Einbeziehung des Publikums eine sehr lebendige Diskussion. In den letzten zehn Jahren gab es in Ostdeutschland deutlich mehr junge Menschen, die auf den Arbeitsmarkt strebten, als Stellen frei wurden. Daher konnten sie trotz Berufsausbildung und anderer Qualifikationen keine Anstellung finden. Diskutiert wurde, ob es sich wegen dieser strukturellen Probleme um eine "verlorene" Generation handelt. Deutlich wurde, dass sich soziale Phänomene kaum eindeutig fassen und begrifflich eingrenzen lassen, dass es immer auch andere Gruppen gibt, auf die diese Phänomene vielleicht sogar eher zutreffen, und dass vieles im Osten längst auch schon im Westen gilt. Aber, so Lutz abschließend, die provokative Bezeichnung habe die Aufmerksamkeit für die Problemlage geschärft und die Debatte akzentuiert.
Pressespiegel

Workshop: "Teilhabe in Ostdeutschland - Innovationspotenziale, Lernprozesse und Restriktionen einer Gesellschaft im Umbruch"
Freitag, 28. November 2008, an der TU Berlin

Die Debatte um soziale Exklusion und das Auseinanderdriften der Gesellschaft reißt nicht ab. Dies trifft in besonderem Maße auf die ostdeutsche Gesellschaft zu, die durch Umbruchprozesse fragmentiert und zerklüftet ist. Arbeitslosigkeit und prekäre Lebensverhältnisse schränken nicht nur individuelle Teilhabemöglichkeiten ein, sondern unterminieren Zusammenhalt und Entwicklungsfähigkeit der Gesellschaft insgesamt.

Das Teilhabekonzept sieht in der Befähigung zu aktiver Partizipation den Schlüssel zur Überwindung sozialer Ungleichheit. Auf dem Workshop wird diskutiert, ob dieser Ansatz wissenschaftliche und politische Antworten auf die neue "soziale Frage" in Ostdeutschland liefern kann: Wie lässt sich dieses Konzept auf die Umbruchgesellschaft in Ostdeutschland übertragen? Wie lassen sich Akteursorientierung und gesellschaftspolitische Gestaltungsansprüche verknüpfen? Was kann man von Ostdeutschland lernen?

Ort: TU Hauptgebäude, Raum H 3005, Straße des 17. Juni, 10623 Berlin.
Freitag, 28. November 2008, an der TU Berlin, Straße des 17. Juni 135, Hauptgebäude, Raum H 3005, bitte folgen Sie der Ausschilderung.

Das Programm finden Sie hier [pdf]

Reader [pdf]

Auftaktveranstaltung: "Verlorene Generation": Blockierte Erwerbseinstiege in Ostdeutschland
Donnerstag, 27. November 2008, 18.30 Uhr im Oxymoron in den Hackeschen Höfen, Rosenthaler Str. 40/41, Berlin Mitte.
Podiumsdiskussion mit Dr. Sandra Buchholz, Prof. Dr. Thomas Hinz, Prof. Dr. Burkart Lutz, Dr. Christine Steiner.

Der blockierte Generationenaustausch im ostdeutschen Beschäftigtensystem hat seit Mitte der neunziger Jahre in zunehmendem Maße die Arbeitsmarkteinstiege junger Fachkräfte geprägt. Bedingt durch einen geringen Ersatzbedarf durch Altersabgänge aus Erwerbstätigkeit, in einer Situation niedrigen Beschäftigungswachstums bzw. Stagnation sowie durch den demografisch bedingten Anstieg der Zahl nachrückender Ausbildungsabsolventen wurden die Einstiegschancen von Berufseinsteigern Jahr für Jahr deutlich schlechter. Tatsächlich lässt sich eine Spaltung der Erwerbseinstiege der geburtenstarken Jahrgänge beobachten: Neben einem großen Teil erfolgreich ausgebildeter und weiterhin Beschäftigter gibt es eine signifikante Zahl von Personen, die länger vom Erwerbseinstieg ausgeschlossen sind oder bereits während der Ausbildung nur prekäre Einstiegschancen erhalten. Diese Entwertung von Humankapital ostdeutscher Arbeitsmarkteinsteiger sowie deren Abwanderung in den westdeutschen Arbeitsmarkt wird ein Folgeproblem schaffen, wenn sich die Angebots- und Nachfrage-Relation umkehrt und ein steigender Fachkräftebedarf auf drastisch sinkende Schulabsolventenzahlen trifft. Ob sich diese Lücke mit Hilfe der geburtenstarken Jahrgänge schließen lässt, die bereits abgewandert oder arbeitslos sind, ist fraglich. Wie also lässt sich ihre Mobilitätsbereitschaft wecken? Welchen Anforderungen müssen sich arbeitsmarktpolitische aber auch betriebliche Maßnahmen stellen, um junge Schul- und Ausbildungsabsolventen zu qualifizieren und einzuarbeiten?

Dr. Sandra Buchholz: Soziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Professor Dr. Hans-Peter Blossfeld an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Nach ihrem Soziologiestudium in Bielefeld beschäftigte sie sich in ihrer Doktorarbeit mit der Frage, wie sich soziale Ungleichheiten im Zuge zunehmender Arbeitsmarktflexibilisierung in Deutschland entwickeln.
Prof. Dr. Dr. h.c. Burkart Lutz: Soziologe, Mitbegründer und Forschungsdirektor des Zentrums für Sozialforschung in Halle, Ehrendoktor der Universität Halle, im Oktober 2008 wurde er von der DFG für "sein hervorragendes wissenschaftliches Lebenswerk" ausgezeichnet.
Prof. Dr. Thomas Hinz: Soziologe, Lehrstuhl für empirische Sozialforschung mit dem Schwerpunkt Demoskopie in Konstanz.
Dr. Christine Steiner: Soziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Jugendinstituts in München. In jüngster Zeit hat sie sich vor allem mit den Bedingungen und Folgen der Abwanderung ostdeutscher Jugendlicher aus ihren Heimatregionen befasst.

Werkstattgespräch des "Forum Ostdeutschland der Sozialdemokratie e.V."
am 24. November 2008 ab 14.00 Uhr im Willy-Brandt-Haus in Berlin
Das Thema des Tages lautet "Innovative Akteure und soziales Kapital für erfolgreiche Regionalentwicklung in Ostdeutschland". Das Programm finden Sie hier.
Einladung

Am 7. Oktober 2008 lud der Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung zum vierten Gespräch der Reihe "Ostdeutschland - Kontroversen um die Zukunft" in das Oxymoron ein. Gesine Schwan und Raj Kollmorgen diskutierten an diesem Abend, ob der Osten der deutschen Vereinigungsgesellschaft ein Motor gesellschaftlicher und politischer Innovationen ist.
Raj Kollmorgen wies unter anderem auf neu entstandene lokale und regionale Governance-Strukturen hin, in denen unterschiedliche Akteure einbezogen und netzwerkartige Formen politischer Gestaltung praktiziert werden, um konkrete Probleme zu lösen. Ein Beispiel dafür sind Unternehmen, die sich vor Ort für eine Verbesserung der Berufsausbildung engagieren. Mit den Gästen wurde darüber debattiert, ob solche in Ostdeutschland oftmals sehr pragmatischen und an konkreten Problemen orientierten Ansätze zu einer Entpolitisierung führen würden. Gesine Schwan unterstrich die besondere Bedeutung solcher Governance-Strukturen. Sie betonte, dass sowohl der Staat als auch die Parteien als ein Akteur in diesen Netzwerken ihre politische Kompetenz und Verantwortung in die Problemlösung einbringen könnten und würden. Auf diese Weise kämen besonders Gemeinwohlgesichtspunkte politischer Gestaltung zur Geltung. Eine intensivere Beschäftigung mit Governance-Ansätzen in Ostdeutschland ist sicher lohenswert.

Am 03. September 2008 veranstaltet die Koordinierungsstelle "Perspektiven für junge Menschen" in Berlin einen open space Workshop zum Thema "SCHÖNE AUSSICHTEN für Mädchen und junge Frauen in Ostdeutschland!". Ziel des Workshops ist es, gemeinsam Ideen zu entwickeln, was Jugendarbeit und weitere regionale Akteure tun können, um Mädchen und jungen Frauen Zukunftsaussichten und Chancen in der Heimat aufzuzeigen. Eingeladen sind alle, die sich bereits mit dem Thema auseinandersetzen. Anmelden können Sie sich bis zum 15. August 2008. Informationen, Flyer und Anmeldung: www.jugendstiftung-perspektiven.org
Flyer [PDF]

"Über Leben im Umbruch. Wissenschaftliche Perspektiven"

Am 4. und 5. Juli 2008 fand in Wittenberge die Tagung "Über Leben im Umbruch. Wissenschaftliche Perspektiven" statt. Sie war Teil des ersten lokalen Forums des Forschungsprojekts "Social Capital im Umbruch europäischer Gesellschaften - Communities, Familien, Generationen". Mit diesem Forum waren auch verschiedene künstlerische Projekte verbunden. Aus dem Netzwerk Ostdeutschlandforschung sind an dem Projekt das Brandenburg-Berliner Institut für sozialwissenschaftliche Studien (BISS e.V.) und das Thünen-Institut beteiligt.

Mit den Begriffen Schrumpfung, Fragmentierung und Exklusion sind gesellschaftliche Dynamiken angesprochen, für die die eingeübten Vorstellungen gesellschaftlicher Entwicklungen nicht zuzutreffen scheinen. Entwickelt sich daraus ein neues Modell von Gesellschaft innerhalb Europas? Die Tagung unternahm den Versuch, das empirische Material zu ordnen, erste Schlüsse zu ziehen und diese aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu diskutieren. Die europäische Perspektive nahmen u.a. Didier Lapeyronnie, der zu der Welt der Vorstädte referierte, und Piers Vitebsky, der das Überleben in Sibirien vorstellte, ein. Den Hauptteil bildeten die bisherigen Projekterfahrungen zu Wittenberge. Nähere Informationen und Pressematerialien können zur Verfügung gestellt werden. Nähere Informationen und Pressematerialien können zur Verfügung gestellt werden.

"Grundeinkommen und Recht auf Arbeit"

Am 17. Juni 2008 lud der Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung zum dritten Gespräch der Reihe "Ostdeutschland - Kontroversen um die Zukunft" in das Oxymoron in Berlin Mitte ein. Wolfgang Engler und Rainer Land diskutierten an diesem Abend mit Gästen über "Grundeinkommen und Recht auf Arbeit". Wolfgang Engler ergänzte die Diskussion um das Grundeinkommen um die Debatte um maximale Bildung für alle, wie er es in seinem Buch "Unerhörte Freiheit. Arbeit und Bildung in Zukunft" entworfen hat. Denn nur wer sich bildet, erlangt die Befähigung zur Freiheit. Auf der Grundlage ist die Option, Arbeit abwählen zu können, entscheidend. Demgegenüber plädierte Rainer Land für einen notwendigen Zusammenhang von Grundeinkommen und Recht auf Arbeit (auch in INITIAL, Heft 2, 2007). Engler betonte die Basis für eine kulturelle Umstellung der Gesellschaft, die in dieser gewonnenen Freiheit gründet; Land sah hier mehr die Gefahr einer "lukrativen" Ausgrenzung. Die Debatte bleibt wohl spannend.

Workshop "Teilhabe und Arbeit - Chancen und Risiken von Bürgerarbeit und Erwerbsarbeit"

des Netzwerks Ostdeutschlandforschung am 11. Juni 2008 am Zentrum für Sozialforschung (ZSH) in Halle.

Der Workshop gliederte sich in die zwei Themenschwerpunkte Bürgerarbeit und Stabilisierung von Industrieerwerbsarbeit in Ostdeutschland. Zunächst referierte Silke Böttcher über den Modellversuch "Bürgerarbeit" in Bad Schmiedeberg, dessen Evaluation das ZSH im Auftrag der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit und dem Ministerium für Wirtschaft und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt durchgeführt hat.
Der Anspruch der Initiatoren von Bürgerarbeit ist, dass arbeitslose Menschen, die selbst bei guter Konjunkturlage keine Chancen am ersten Arbeitsmarkt haben, im gemeinnützigen Bereich sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden. Die Auswahl der Bürgerarbeiter war als vierstufiger Prozess angelegt. Vorrang hatte dabei die Vermittlung in reguläre Beschäftigung oder in Qualifikationsmaßnahmen. Erst wenn weder geförderte noch ungeförderte Vermittlungsbemühungen und Maßnahmen zum Ziel führten, wurde ein Bürgerarbeitsangebot unterbreitet. Prozess begleitend untersuchte das ZSH Einführung, Etablierung und Stabilisierung des Projekts "Bürgerarbeit", die Erfahrungen mit der Durchführung von Bürgerarbeit und die Bewertungen des Projekts aus der Sicht aller Beteiligten. Befragt wurden in Expertengesprächen alle Akteure des regionalen Netzwerkes "2. Arbeitsmarkt", die durchführenden Einrichtungen und die Personen, die ein Angebot für einen Bürgerarbeitsplatz erhielten. Wichtig waren in erster Linie die mit der Durchführung der Bürgerarbeit verbundenen Wirkungen auf die Beschäftigten und die Unternehmen bzw. Organisationen, weiterhin die Art und Weise der Zusammenarbeit der beteiligten institutionellen Akteure und die daraus resultierenden Wirkungen auf die Kommune bzw. das kommunale Umfeld. Der vollständige Forschungsbericht kann unter www.zsh-online.de/fb08_1.html herunter geladen werden.
Im zweiten Teil stellte Ralph Lungwitz (WISOC) die Position ostdeutscher Industriebetriebe in globalen Wertschöpfungsketten dar. Sie haben eine relativ machtlose, austauschbare Position in diesen Wertschöpfungsketten und haben ihre Stärke in erster Linie in einer kundennahen, flexiblen Fertigung und niedrigen Löhnen. Eine hohe Wertschöpfung wird durch diese Form der Einbindung nicht erzielt. Vielmehr stehen ostdeutsche Unternehmen in Konkurrenz zu anderen kostengünstigen Anbietern, so dass perspektivisch ihre ökonomische Position weiter erodieren kann. Dadurch werden der Druck auf die Lohnhöhe weiter steigen und die Arbeitsbedingungen tendenziell prekärer. Die normative Bedeutung von Teilhabe durch Erwerbsarbeit wird in diesem Szenario noch zunehmen, gerade weil Erwerbsarbeit unsicherer wird. Ob unter diesen Umständen andere Formen der Teilhabe (Kultur/Bildung, soziale Rechte, politische Rechte) gestärkt werden können, ist fraglich, bedarf aber einer genaueren Analyse.

"Regionale Teilhabe - regionale Handlungsfähigkeit: Neue Chancen für Regionen?"

unter diesem Titel fand am 6. Mai 2008 ein Workshop mit Wissenschaftlern des Innovationsverbunds Ostdeutschlandforschung und Wirtschaftsexperten aus der Region Elbe-Elster statt. Das Konzept "regionaler Wachstumskerne" und vor allem die Umsetzung sind in Brandenburg umstritten, erste Bilanzierungen fallen sehr unterschiedlich aus. Im Kern dreht es sich um die Beantwortung der Frage, wie regionale und lokale Handlungsfähigkeit gestärkt werden kann.

Entlang der Themenkreise "Selbstorganisation und Handlungsfähigkeit als Erfolgsrezepte für bessere Teilhabe in und durch periphere Regionen?", "Erfolgreiche wirtschaftliche Ansätze und Alternativen" und "Motor Zivilgesellschaft?" wurden Erfahrungen präsentiert und aufgearbeitet. Es zeigte sich, wie schwierig sich eine produktive Zusammenarbeit der beteiligten Akteure aus Politik, Wirtschaft und Region gestaltet. Zu fordern ist, dass die Kompetenzen von Regionen und deren Akteure stärker gefördert werden.

Der Workshop diente der inhaltlichen Vorbereitung der diesjährigen Arbeitstagung des Innovationsverbunds Ostdeutschlandforschung, der in der zweiten Novemberhälfte 2008 in Berlin stattfinden wird. Ausführliche Diskussionsergebnisse werden demnächst präsentiert.